Dolma-La-Pass
Der Dolma La Pass ist mit 5.643 Metern der höchste Punkt der Mt. Kailash Kora (Parikrama). Man braucht etwa 3–5 Stunden, um von Dirapuk (5.000 m) aus rund 9 Kilometer bis zum Pass hinaufzuwandern. Die größere Höhe führt zu schnellerem Atmen und höherem Puls. Der Weg ist zudem relativ anspruchsvoll und erfordert Durchhaltevermögen. Dazwischen liegen etwa drei Kilometer steile Geröllhänge, die als „Höllenhänge" bekannt sind und nur schwer zu bewältigen sind. Oben am Pass erwarten einen neben vielen Gebetsfahnen und einem kleinen türkisen See auch fliegende Lachmöwen. Der Abstieg zum Zutulpuk ist etwa 16 Kilometer lang. Die ersten sechs Kilometer sind sehr steil, mit Geröll und Staub unter den Füßen, sodass man leicht ausrutschen kann, die restlichen zehn Kilometer sind vergleichsweise sanft. Wenn du Zutulpuk erreichst, kannst du dich ausruhen oder weiter nach Darchen wandern, das noch 10 Kilometer entfernt ist.
Lage und geografische Besonderheiten
Der Dolma La Pass, der im nördlichen Teil des Kreises Pulan im Regierungsbezirk Ngari in Tibet liegt, ist ein Gebirgspass, der während der Mt. Kailash Parikrama unbedingt überquert werden muss. Er ist etwa 5.643 Meter hoch, was den höchsten Punkt der Mt. Kailash Kora darstellt. Der Sauerstoff ist sehr dünn, die Temperatur sinkt stark, das Klima ist wechselhaft und der Wind ist ganzjährig relativ stark. Höhenkrankheit und Unterkühlung treten hier hauptsächlich auf, was diesen Abschnitt zum schwierigsten und herausforderndsten Teil des Pilgerwegs macht. Wenn das Wetter klar ist, kann man beim Aufstieg zum Dolma La Pass auf halber Höhe den besten Sonnenaufgang über den goldenen Bergen erleben, wobei der heilige Berg in diesem Moment genau nach Osten ausgerichtet ist.
Religiöse Bedeutung
Dolma La ist der tibetische Name der hinduistischen Göttin Parvati, der Frau von Lord Shiva. Sie ist eng mit dem Mount Kailash verbunden und es wird geglaubt, dass sie hier wohnt. Der Pass kann herausfordernd sein, besonders bei ungünstigem Wetter, und der Legende nach können ihn nur diejenigen erfolgreich überqueren, die von der Göttin gesegnet wurden. Aufgrund der großen Höhe und der dünnen Luft wird Reisenden geraten, nicht zu lange zu verweilen. Vom Pass aus hat man einen atemberaubenden Blick auf Gaurikund, einen heiligen See, der unten eingebettet liegt.
Der Dolma La Pass hat im tibetischen Buddhismus eine bedeutende spirituelle Bedeutung als Symbol der Wiedergeburt. Während der Pilgerreise um den Mount Kailash halten Pilger hier oft an und lassen einen Blutstropfen, eine Haarsträhne oder ein Kleidungsstück zurück, um vergangenes Leiden zu verabschieden und ein neues Leben zu begrüßen. Die verstreuten Kleidungsstücke und Mani-Steinhügel an den Hängen sind Spuren derjenigen, die vorbeigekommen sind, und symbolisieren die Vergänglichkeit und Herausforderungen des Lebens. Die Pilger gehen mit dem Glauben voran, dass die Überquerung dieses Passes spirituelle Erneuerung bringt, vergangene Lasten reinigt und inneren Frieden und Stärke schenkt. Die Gegend ist auch bekannt für die lebendige Szenerie mit Gebetsfahnen und dem Verstreuen von Longda, was eine majestätische Atmosphäre schafft.
Dolma-Stein
Der Dolma La Pass ist durch den heiligen Dolma-Stein gekennzeichnet. Der Legende nach verirrte sich Meister Gotsangpa, als er zum ersten Mal die Pilgerroute festlegte, im Tal. Daraufhin wurde er von 21 Wölfen, die als Erscheinungsformen der Göttin Tara galten, der Wächterin dieses Passes, zurück auf den richtigen Weg geführt. Als sie den Pass erreichten, verschmolzen die 21 Wölfe zu einem und verwandelten sich in den Dolma-Stein. Hier sind zahlreiche Gebetsfahnen zu sehen, und der Dolma-Stein ist mit einem Bildnis der Göttin Tara verziert. Pilger gehen unter den Gebetsfahnen hindurch, umkreisen den heiligen Stein und singen das traditionelle tibetische Mantra: „Qiqi Soso, Lajaluo ( ཀི་ཀི་སོ་སོ་ལྷ་རྒྱལ་ལོ་་་).“ „Qiqi Soso“ ist ein Gebet um Kraft und Glück, und „Lajaluo“ bedeutet „Sieg Gottes.“ Vom Pass aus kann man Gaurikund sehen. Östlich des Passes, wenn man nach links blickt, ragen drei markante Gipfel hervor, die von der Drukpa-Kagyü-Schule verehrt werden.
Gaurikund
Vom Gipfel aus kann man den smaragdgrünen See Gaurikund sehen, der auch als „See des Mitgefühls“ bekannt ist. Der Legende nach ist es das heilige Badebecken von Parvati, und ein Bad in seinem Wasser soll Unreinheiten und Sünden wegwaschen. Die umliegende Landschaft mit klarem Wasser und ruhiger Umgebung erinnert an die tiefe Verbindung zwischen Natur und dem Göttlichen. Für viele Pilger ist dieser heilige Ort ein Moment der Besinnung und Reinigung auf ihrer spirituellen Reise. Es ist jedoch nicht ratsam, hier zu baden, da der See von Schmelzwasser gespeist wird, was das Wasser schmerzhaft kalt macht.
Beste Reisezeit
Von November bis März ist der Dolma La Pass von starkem Schnee bedeckt, was das Klima rau und für Trekking ungeeignet macht. Auch der April und Oktober sind recht kalt. Zwischen Juli und August nimmt die Zahl der Pilger deutlich zu, was die Unterkünfte entlang der Trekkingroute knapp werden lässt. Zudem fällt in diese Monate die Regenzeit in Tibet. Daher sind die besten Zeiten für die Pilgerreise Mai, Juni und September, wenn das Wetter günstiger ist.
Reisetipps
Leicht reisen: Lass am besten den Großteil deines Gepäcks in Darchen und nimm nur das Nötigste mit.
Pferde- und Yakverleih: Während des Trekkings können Pferde und Yaks gemietet werden, sie können jedoch nicht über den Dolma La Pass.
Richtige Ausrüstung:
- Kleidung: Wind- und warme Jacken, Trekkinghosen (morgens und abends kann es sehr kalt sein).
- Energievorräte: Wasser und leichte, kalorienreiche Nahrung. Entlang der Route gibt es alle 2–3 Stunden Versorgungspunkte.
- Trekking-Ausrüstung: Wanderschuhe, Trekkingstöcke, Schlafsack und tragbarer Sauerstoff für Notfälle.
- Sonnenschutz: Sonnencreme, Sonnenbrille und ein Hut als Schutz vor der starken UV-Strahlung in großer Höhe.
Respektiere lokale Bräuche: Der Dolma La Pass ist mit zahlreichen Gebetsfahnen geschmückt. Tritt nicht darauf und steige nicht über andere Fahnen, wenn du neue aufhängst. Gehe stattdessen in die Hocke und unter ihnen hindurch.
Fazit
Der Dolma La Pass, das hoch aufragende Hindernis auf der Mt. Kailash Kora, ist nicht nur eine extreme Herausforderung für körperliche Kraft und Willen, sondern auch eine spirituelle Läuterung und Wiedergeburt. Wenn Pilger diesen heiligen Boden betreten, scheint jeder Schritt ein Dialog mit dem Selbst und ein Einklang mit der Natur zu sein. Seien es die im Wind flatternden fünf Farben-Gebetsfahnen, der legendäre, geheimnisvolle Gaurikund-See oder dieser Dolma-Stein, der unzählige Gebete trägt – sie alle erzählen von der Kraft des Glaubens und der Widerstandsfähigkeit des Lebens.